Montag, 21. April 2014

Reisetagebuch Toskana: Certaldo - Straßenmarkt, Zahnradbahn und Mittelalter-Spiele

Am Mittwoch (2.04.) fuhren wir nach Certaldo - der Plan: über einen typischen schönen Wochenmarkt schlendern, ein altes Dorf besuchen und etwas wandern…Ankündigung vom Planer: "Voraussage für eine kleine Wanderung... 50 bis 80 Höhenmeter, möglicherweise unter Zurhilfenahme einer Zahnradbahn". Klang ja nicht übel für meine leicht angesäuerten Waden.
Die Idee vom romantischen Marktbummel wurde von der Realität jäh zunichte gemacht - erst suchten wir lange auf der angegebenen breiten Straße im Unterdorf, dem Borgo basso, Richtung Ortsausgang und hielten die Adresse oder den Termin schon für falsch. Passanten deuteten jedoch weiter in die Richtung und bestätigten dass der Markt heute statt fand. Ein Stück weiter war dann die Straße gesperrt, und dicht drängten sich die Marktstände nebeneinander auf den Seiten sowie die Besucher in der nun schmal gewordenen Gasse. 
Ein Kilometer langer "Woolworth unter freiem Himmel" tat sich auf! Klamotten und Schuhe, Haustextilien und Krimskrams. Darüber hing beißend der Geruch aus den chemisch behandelten Stoffen. Wir kamen an einer während der Marktzeit unzugänglichen Tankstelle vorbei, und dahinter begann die Imbissmeile. Ganz am Ende, kurz vor dem Ortsausgang fanden wir doch noch vereinzelte Gemüsestände. 




Ein Himmel voller Kleider…und Wühltisch an Wühltisch…




An diesem Schuhstand war der Boden zum Anprobieren sorgfältig mit Karton ausgelegt
Ein Stück daneben gab es Stockfisch, Baccala







Um dem Getümmel zu entgehen, liefen wir auf einer Parallelstraße zurück zu der  Zahnradbahn die ins ins Oberdorf führt. Rein aus Neugier leisteten wir uns die 1.30 pro Nase für ein Ticket in den historischen oberen Ortsteil.





Das alte Certaldo ist der Ort, wo Boccacio lebte und starb. Sein Haus wurde im II. Weltkrieg fast komplett zerbombt und inzwischen nach historischem Vorbild wieder aufgebaut. Ein paar dunklere Backsteine an der Fassade sind Originalteile aus den Trümmern. 
Im Dorf wurden wir fast von einer Horde Nachwuchs-Ritter überrannt, die aber bald von ihren beiden Führern wieder zu Disziplin angehalten wurden und sich ordentlich aufstellen mussten. Ob das ein Schulausflug war oder eine Probe für die nächsten Mittelalter-Spiele im Ort bleibt offen. Ersichtlich war aber, dass es um eine Versöhnung der beiden Gruppen ging.












Nach einem ausgedehntem Picknick auf einem ruhigen Platz liefen wir noch einmal ums Dorf herum und dann auf dem alten Hohlweg zurück ins Unterdorf zum Auto.



Kunst im Oberdorf…und im Unterdorf am Parkplatz 



Die Fahrt zurück nach nach San Casciano wirkt länger als die angegebenen 22 Kilometer. Die Höhenstraße bietet an vielen Stellen Aussicht auf traumhaft schöne Täler mit kleinteiligen Feldern, wo man am liebsten anhalten würde um einfach nur in die Landschaft zu schauen.
Den Nachmittag verbrachten wir in der Wohnung, beide müde, abhängen war angesagt...

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