Sonntag, 18. Januar 2015

Reisetagebuch / Winterurlaub in der Toskana


Während viele sich für ihren Winterurlaub Schnee erhoffen, versuche ich um diese Zeit der weißen Decke zu entfliehen. Ende 2014 beschlossen wir recht kurzfristig, den Jahreswechsel in der Toskana zu verbringen. Während zu Hause vier Tage lang ein Schneesturm tobte, der die Wintersportler nicht zum Zuge kommen ließ, verbrachten wir eine schöne Zeit im Süden. Ein Regentag war dabei und am Mittwoch pfiff der Wind so kalt, dass wir nur für knappe zwei Stunden draußen waren.

Unser Quartier für zehn Tage

Am Sonntag (28.12.) war bestes Wetter, den ganzen Tag über sonnig - ideal für eine Tour durch die Umgebung. Wir besuchten das nahe gelegene Dorf Terricciola, Chianni, den Kurort Cascana Terme, das sehr sehenswerte Städtchen Lari und Peccioli.
 
Landschaft bei Terricciola


In Chianni waren viele Fenster und Hauseingänge weihnachtlich dekoriert. Das Blinken der Lämpchen lässt sich auf den Fotos leider nicht zeigen.
Türkränze waren eher selten.



Strolling around - in Chianni

Selfie mit Mauer





Sonnenanbeterin in Chianni

Die Therme in Casciana Terme

Ginkopflaumen - sehen lecker aus, stinken aber

Auf dem Marktplatz in Casciana Terme

Lange Schatten am frühen Nachmittag



Lari

Für die weiteren Bilder aus Lari gibt es einen eigenen Post, sonst werden es hier zu viele. Springen wir gleich weiter nach Peccioli, unserer letzten Station am späten Nachmittag. Hier hätte man sehr schöne kleine Apen kaufen können.


Warum erscheint uns eine Haussfassade  mit abgebröckeltem Putz hier so schön und zuhause nur als verwahrlost?



Landschaftsbalkon mit Blumen


 Sogar die aufgehängte Wäsche wirkt hier dekorativ...


Der Aufzug vom Parkhaus



Ein privater Sitzplatz mit Aussicht


 ...und ein Parkplatz mit noch schönerer Aussicht 





Am Abend kamen wir nach Peccioli zurück um in der kleinen Pasticceria Floretti zu essen. Das kleine Lokal hat nur fünf Tische,  man sollte vorher reservieren. (Via Carraia 1, 05587-635124). Tagsüber gibt es Kaffee und Feines aus der Pasticceria, abends sehr gutes Essen aus vorwiegend regionalen Zutaten. Uns hat es dort sehr gut geschmeckt und gefallen, so dass wir gleich einen Tisch für den Silvesterabend reserviert haben.




Das Quartier auf dem schönen Weingut kann man hier buchen:
Carolines Toskana / Casa Colonica


Für unsere Touren war uns der Reiseführer "Toscana" von Michael Müller sehr hilfreich. Er behandelt die einzelnen Ziele relativ knapp und somit übersichtlich  und bietet viele gute Informationen zu Essen, Trinken, Übernachtung, Verkehrsanbindung und Festen und besondere Tipps des Autors.
(Klick auf das Bild führt zum Link)



Freitag, 16. Januar 2015

Cardi, eine italienische Spezialität

Heute geht es weiter mit den Experimenten - kochen mit unbekannten Gemüsen!
Auch im Winter sieht man in jedem toskanischen  Garten diese Pflanze, von der ich nie sicher bin ob es sich um Artischocken oder Kardonen handelt. 



Artischocken kenne ich eher als größere Pflanze, deshalb nehme ich an, dass es sich bei dem oberen Bild um "Cardi" handelt.

Unten eine schön entwickelte Artischockenpflanze. Vielleicht ist diese hier ja zwei Jahre alt und die oben stehen im ersten Jahr.
Kardonen und Artischocken sind jedenfalls eng verwandt. Allerdings verwendet man bei den Kardonen die Stiele, nicht die Knospen.



Es gibt verschiedene Sorten von "Cardi", manche haben Stacheln und andere nicht. Die Stängel werden im Herbst lose zusammengebunden um sie zu bleichen. Manche Sorten sind arm an Bitterstoffen und können ohne diese Prozedur verwendet werden.

  
Wir haben am letzten Tag unseres Urlaubs Cardi auf dem Markt in Volterra gekauft und sie eine Woche später zuhause verarbeitet.

Es gab 'Parmigana cardi', überbackene Kardonen auf Tomatensoße. Ein zugegeben aufwändiges Rezept für engagierte Köche...


Die Stiele werden ähnlich wie Rhabarberstiele geputzt, dh. die äußeren Fasern werden abgezogen und dann werden die Stiele in etwa fünf bis zehn Zentimeter lange Stücke geschnitten, in Zitronenwasser "zwischengelagert", in einem speziellen Sud mit Mehlwasser gekocht,




 ... paniert,



  ... gebraten 


 ... mit der Tomatensoße in eine Auflaufform geschichtet, mit fein  geriebenem Parmesan bestreut, gebacken,


  mit Crostini angerichtet und genossen...



Die Cardi haben ein nur leicht bitteres, eher nussiges Aroma und das Gericht schmeckt sehr "rund", fruchtig und mild mit schöner Würze.

Hier ist der Link zum Rezept mit der genauen Anleitung: Gobbi in Parmigiana
Wer einen Garten in einer nicht allzu kühlen Gegend hat und mit dem Anbau experimentieren möchte, Saatgut gibt es hier. Die Pflanzen brauchen ein mildes, feuchtes Klima und viel Platz - etwa einen Quadratmeter pro Pflanze.

Donnerstag, 15. Januar 2015

Puntarelle - Experimente mit einem bisher unbekannten Gemüse

Vom Markt in Volterra in die Allgäuer Küche - ein gelungenes Experiment mit einem bisher unbekannten Gemüse.
Die Berge von Puntarelle auf den italienischen Märkten hatten uns immer schon interessiert. Sie sehen aus wie große Endivienköpfe mit Blättern, die an Löwenzahn erinnern. Puntarelle werden in Italien auch als Cicoria asparago ("Spargelchicorée") oder Cicoria catalogna cimata bezeichnet.
Die Pflanze gehört wie Chicorée, Endivie und Zuckerhutsalat zu den Zichoriengewächsen.
Was man damit in der Küche anstellen kann wussten wir bis vor kurzem noch nicht. In unserem Toskana - Urlaub über Silvester hatten wir uns aber fest vorgenommen, von allen speziellen italienischen Wintergemüsen etwas einzukaufen und damit zuhause zu experimentieren.


 "Puntarelle"ungeputzt




Nach dem Entfernen der äußeren Blätter sieht dieses Gemüse völlig anders aus


Hier sieht man die einzelnen Triebe, die eigentlichen "Puntarelle"

Puntarella

Und das ist eine "Puntarella", nämlich ein einzelner Trieb - sieht er nicht aus wie eine Riesengarnele? Diese Triebe wachsen sich im Lauf des Jahres aus. Ob sich daraus Blüten entwickeln muss ich erst noch herausbekommen. Jedenfalls wird das Gemüse später im Jahr nicht mehr als Puntarelle, sondern als "Catalogna" (Löwenzahn) verkauft.

Aufgeschnittene Puntarella

Für diese Rezepte hat sich der Küchenchef nach ausgiebiger Recherche entschieden: 
Aus den dünn geschnittenen Puntarelle gab es einen köstlichen Salat, abgewandelt nach einem Rezpt für "Puntarelle in salsa die alici" (Zichorien mit Sardellen).  Da Sardellen leider zu den Dingen gehören die ich überhaupt gar nicht mag, wurden sie durch Kapern ersetzt.
Das Rezept kann man über diesen Link herunterladen: 
Zu Hause kochen mit Elisabetta Gaddoni: Puntarelle 
Dort gibt es auch ausführliche Informationen über Puntarelle.

Bei uns haben sie sich trotz des Bades in Eiswasser nicht gekräuselt, vielleicht weil sie direkt aus dem Kühlschrank kamen? Das tat dem Genuss jedoch keinen Abbruch.



Für die Blätter fand sich bei "lamiacucina" wieder ein tolles Rezept: Pasta mit Puntarelle


Beide Gerichte schmeckten uns ausgezeichnet. Allerdings haben die Puntarelle eine leicht bittere Note, die nicht jeder mag. Aber wer Chicorée, Artischocken und Endivien mag, wird auch Puntarelle lieben.

Hier ist noch ein interessantes Rezept: Puntarelle alla fiorentina

Mal sehen, ob wir dieses leckere Gemüse auch auf dem heimischen Markt finden... 

Wer es mit dem Anbau im Garten versuchen will, Saatgut findet ihr bei Stochay/Chichoréesalat

Sonntag, 11. Januar 2015

Ein Festmahl mit toskanischen Spezialitäten

Am zweiten Weihnachtsfeiertag sind wir kurzentschlossen für zehn Tage in die Toskana gefahren. Dieses Mal waren wir in der Nähe von Pisa auf einem schönen Weingut. Die Unterkunft fanden wir über "Caroline's Toscana" - hiermit herzlichen Dank an Caroline Wasserfuhr, ohne deren freundliche und kompetente Vermittlung wir wohl nicht so ein tolles Apartment gefunden hätten.
Das Reisetagebuch fängt dieses Mal vom Ende her an - mit den Einkäufen vor der Heimfahrt und toskanischem Essen zu Hause im Allgäu.
Am letzen Tag kauften wir in Volterra auf dem Markt frische Gemüse ein - Artischocken, Puntarelle ("Riesenlöwenzahn") und Cima di Rapa, bei uns als Rübstiel oder Stängelkohl bekannt. Im Supermarkt folgte dann der Großeinkauf - verschiedene Pecorino Sorten, Tomatenpolpa, Cavolo Nero, Kichererbsenmehl, Kastanienmehl, einzelne Flaschen Wein lokaler Erzeuger, Salami, Bresaola und diverse Dolci... ein ganzer Einkaufswagen proppenvoll... Und jaa, es war etwas viel vom Supermarkt, aber wir haben auch bei kleinen Läden und Erzeugern eingekauft und die regionale Gastronomie besucht.


Auf dem Wochenmarkt in Volterra


Gemüsestand in Volterra

In den toskanischen Gärten sieht man auch zu dieser Jahreszeit Kohlarten, Fenchel, Artischocken und Kardonen in den Beeten stehen. Mein Gärtnerherz schlägt höher bei dem Anblick...aber ich bin auch ein wenig neidisch.


Cardi oder Artischocken? Gemüsegarten in Palaia


Einige der mitgebrachten Gemüse waren uns bisher unbekannt, und Stephan wälzte nach der Heimkehr stundenlang Bücher und schaute durch Kochblogs um die interessantesten Rezepte zu finden. (Für alle, die es noch nicht wissen: Bei uns kocht der Mann, und das phantastisch. Manchmal mit Gemüse, das ich angebaut habe. Ich mache dann auch gern die Küche wieder klar, jedenfalls meistens).


Am Montag gab es ein Festessen mit der Schwiegermama, bei dem Artischocken, Cima di Rapa (Rübstiel)  und Cavolo Nero (Schwarzkohl) sowie Kichererbsenmehl zum Einsatz kamen.


Cima di Rapa, Stängelkohl oder Rübstiel

Cavolo Nero
 



Und nun die Speisenfolge.....

Artischockensalat


Ribollita


Farinata die Ceci, Kichererbsenfladen

Cima di Rapa mit Spaghetti


Hier sind die Links zu den Rezepten:

Der Artischockensalat ist ein Rezept aus dem Kochbuch 'Greenbox' von Tim Mälzer, gefunden bei amicella: Artischockensalat

Das Rezept für die Ribollita hat der Küchenchef bei Jamie Oliver gefunden 
Ribollita, wie ich sie am liebsten mag
...und trotz wenig Erfahrung mit Ribollita mag ich sie vermutlich so auch am liebsten! 

Der Kichererbsenfladen wurden nach folgendem Rezept von dem Blog 'lamiacucina' zubereitet:
Farinata di ceci, Kichererbsenfladen

Die Grundlage für die Cima di Rapa mit Spaghetti  stammt von diesem Rezept
aus dem Blog "lamiacucina":  Cima di Rapa als lauwarmer Salat 


Es war alles sehr lecker und unbedingt wiederholenswert! Die Kombination Kohl/Orangen im Cima di Rapa Rezept sehr neu und erfrischend, da könnte man noch viel experimentieren.
Der Artischockensalat und die Ribbolita bekommen das Attribut "Lieblingsrezepte" - beides könnte ich den Winter über jede Woche wieder essen....
Als Ersatz für den Schwarzkohl kann man auch Grünkohl verwenden. Oder aber in unserem Fall die inzwischen eingefrorenen Blätter des "schwarzen Grünkohls" aus dem Garten.

Wer hat diese Gemüse schon mal ausprobiert oder baut sie vielleicht selbst an?

Am nächsten Tag wurde die 'Puntarelle' verarbeitet, das gibt einen neuen Post.

Noch eine Empfehlung zur Verwaltung von Rezepten:
http://www.paprikaapp.com
Mit dieser App kann man Rezepte aus dem Internet direkt übertragen, natürlich auch selbst schreiben, mit Datum und zusätzlichen Anmerkungen versehen und nach verschiedenen Kriterien sortieren. Auf die Dauer erstellt man so sein privates Kochbuch...sehr brauchbar! 

Wer den Anbau von italienischen Gemüsen im eigenen Garten ausprobieren will, kann hier Saatgut bestellen:
Stochay Italienische Samen
Cima die Rape und Cavolo Nero wachsen in Deutschland in den meisten Gegenden wohl recht gut.

Sonntag, 23. November 2014

Wanderung bei Ottobeuren

Der schönste November den ich je erlebt habe... heute haben wir bei strahlendem Sonnenschein und 16° eine kleine Wanderung bei Ottobeuren gemacht.
Von Reuthen über den Golfplatz nach Bibelsberg. Schneezäune und blühender Löwenzahn, ein eher seltener Anblick. Freilaufende Esel und gelangweilte Zwergziegen...Kaffetrinken in Ottobeuren,  Heimfahrt über Wolfertschwenden. Nur so als Erinnerung, diesen schönen Weg wollen wir zu einer anderen Jahreszeit wieder mal laufen.





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